Deutscher Gewerkschaftsbund

21.03.2016

DGB will keine Angestellten zweiter Klasse!

Am Beispiel von zwei 29-jährigen Köchen mit dem Namen Jürgen (fiktiven Charakteren) verdeutlichte Ortsverbands-Vorsitzender Stefan Riedel das Anliegen. Der eine habe einen unbefristeten Vertrag, vielleicht sogar noch einen Betriebsrat hinter sich. Der andere arbeite womöglich im selben Betrieb mit einem Zeitvertrag und zu schlechteren Konditionen. Für Riedel ein No-Go. „Wir wollen keine Angestellten zweiter Klasse“, betont er.

Auch an anderen Berufsbildern machte er die Tücken von Werkverträgen deutlich. Es müsse mehr Arbeit zu weniger Lohn geleistet werden, gebe oft keine berufliche Fortbildung und keinen Betriebsrat. Je länger jemand fest in einem Betrieb mit Tarifbindung angestellt sei, desto mehr öffne sich Lohnschere gegenüber demjenigen mit Werkvertrag. „Das kann selbst bei einfachen Berufen mehrere tausende Euro im Jahr ausmachen“, betonte Riedel.

Laut dem Ortsverband-Vorsitzenden ist „eine juristische Klärung wichtig“. Denn wie bei einer Scheinselbständigkeit müsse unterbunden werden, „dass eine Firma nur für einen Konzern arbeiten darf“ – und zu diesem Zweck sogar die Tarifbindung verlasse. Riedel machte dies als Beispiel an einer Putzfirma fest, die aus dem eigentlichen Unternehmen ausgegliedert werde, aber danach Aufträge nur für diese ausführe. Mit Werkverträgen für Mitarbeiter, die viel schlechter bezahlt würden.

„Den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen beenden“ hat sich die Gewerkschaft auf die Fahnen geschrieben. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sei die Maxime. Denn der Missbrauch nehme immer mehr zu, in allen Branchen, ob Automobilhersteller, Schlachthöfe, am Bau, im Einzelhandel und in Krankenhäusern, in Schulen und Verkehrsbetrieben. So würden hunderttausende Kollegen schlechter bezahlt und schlechter behandelt als die Stammbelegschaft – „und damit zum Lohndumping missbraucht“. Laut Riedel muss es deshalb „klare Regeln für Werkverträge geben“.

Weil durch den Einsatz der Gewerkschaften für Branchen-Mindestlöhne und tarifliche Regelungen Lohndumping durch Leiharbeit kaum noch möglich sei, nutzten immer mehr Arbeitgeber Werkverträge statt Leiharbeit, um die Tariflöhne der Stammbelegschaften zu unterlaufen, so der DGB. Es gebe keine klare Regelung zur Abgrenzung von einer abhängigen Tätigkeit im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses. „Das führt dazu, dass Werkverträge zum Nachteil der Beschäftigten missbraucht werden können“, sagte Riedel.


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