Deutscher Gewerkschaftsbund

09.03.2018

Mit uns ist zu rechnen. Südhessisches Bündnis „Gemeinsam gegen Altersarmut von Frauen"

Gemeinsame Erklärung

Die Armut im Alter ist weiblich!

Nach wie vor haben Frauen nicht die gleichen Einkom­menschancen wie Männer. Die Folge: Ihr Alterseinkom­men ist häufig geringer und Altersarmut überwiegend weiblich. Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern liegt immer noch bei 21 Prozent. Frauenspezifische Lebensläufe hinterlassen gravierende Lücken bei der Alterssicherung. In der Folge wachsen Einkommensdiffe­renzen zu drastischen Alterssicherungslücken an. Laut OECD- Bericht vom 6.12.2017 liegt die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland derzeit bei 46 Prozent.

 

Das südhessische Frauenbündnis hat sich zum Ziel gesetzt, die Ursachen von Armut von Frauen im Alter zu benennen und sich für wirksame Alternativen ein­zusetzen. Wir zeigen auf was passiert, wenn nichts passiert.

 

Die Rente ist das Spiegelbild des Erwerbslebens. Typi­sche Erwerbsbiografien von Frauen wirken sich direkt auf die Rentenhöhe aus. Sozial ungenügend abgesi­cherte Jobs wie unfreiwillig geringe Teilzeit, Minijobs, Scheinselbstständigkeit und Freiberuflichkeit, ein gerin­ges Entgelt oder Wechselfälle des Lebens wie eine Scheidung, führen zu geringeren Ansprüchen in der gesetzlichen Rentenversicherung.

 

Wir setzen uns deshalb ein für

die Aufwertung und bessere Bezahlung der klassischen Frauenberufe
gesetzliche Maßnahmen zur Eindämmung des Niedriglohnsektors
Abschaffung der Minijobs / Sozialversiche­rungspflicht ab dem ersten EURO
eine deutliche Erhöhung des Mindestlohnes
eine geschlechtergerechte Verteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit
das Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit
die Abschaffung steuerlicher Fehlanreize wie z.B. das Ehegattensplitting
 

Die gesetzliche Altersrente ist gerade für Frauen die wichtigste Säule der Alterssicherung. Frauen haben oft nicht die Möglichkeit und den finanziellen Spielraum, um betrieblich oder privat zusätzlich vorzusorgen.

 

Wir setzten uns deshalb ein für die Stärkung der gesetzlichen Rente anstatt einer weiteren Förderung der privaten Vorsorge, z.B. der Riester-Rente.

 

Hinzu kommt die immer noch ungenügend rentenrechtli­che Anerkennung von Sorgearbeit z.B. in der Pflege von Angehörigen oder der Erziehung von Kindern.

 

Wir setzen uns deshalb für eine bessere Anrechnung von Zeiten der Nichterwerbstätigkeit durch Sorge­arbeit ein!

 

Wer lange Zeit nur ein geringes Arbeitsentgelt erhält, kann im bestehenden Rentensystem keine auskömmliche Altersversorgung aufbauen.

 

Wir setzen uns deshalb ein für

eine bessere Bewertung niedriger Ein­kommen
die Einführung einer existenzsichernden Min­destrente unabhängig vom Erwerbsverlauf!
 

Wer aufgrund eines Unfalls oder einer Erkrankung nicht mehr in der Lage ist erwerbstätig zu sein, darf nicht in Armut geraten – gerade im Alter nicht.

 

Wir setzen uns deshalb für eine deutliche Verbesse­rung der Erwerbsminderungsrenten und eine Beseiti­gung der Abschläge bei dieser Rente ein!

 

Wer längere Zeit arbeitslos ist und Arbeitslosengeld 2 (Alg 2) bezieht, dem fehlen Beiträge und Wartezeiten in der Rentenversicherung.

 

Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass auch für Zeiten des Bezugs von Alg 2 wieder Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung von den Jobcentern entrich­tet werden!

 

Das Rentenniveau, das die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung beschreibt, wurde über Jahre abgesenkt. Damit muss Schluss sein!

Wir brauchen einen Kurswechsel in der Rentenpolitik: Die Talfahrt des Rentenniveaus muss gestoppt werden. Nach Jahrzehnte langer Arbeit muss die Rente reichen, um den Lebensstandard zu erhalten und in Würde alt werden zu können.

 

Wir setzen uns deshalb ein für

die deutliche Anhebung des Rentenni­veaus
die Absenkung des Renteneintrittsalters
eine Erhöhung der Beitragsbemessungs­grenze
eine solide Grundlage der Rentenfinanzie­rung durch eine Erweiterung des Kreises der Einzahlenden (z.B. Selbstständige)
eine deutliche Erhöhung des steuerlichen Zuschusses
sowie dafür, dass Leistungen, denen kein Beitrag gegenübersteht, nicht aus Beiträ­gen finanziert werden!

 

Wir haben Ideen!

Eine gute Rente für Frauen ist möglich!

Bei Arbeit, Lohn und Rente.

Echte Gleichstellung jetzt!
 

Die Achtung der Menschenwürde durch ein gesicher­tes Auskommen im Alter ist eine gesamtgesellschaftli­che Aufgabe.
Unser Bündnis richtet sich mit seiner Erklärung an alle Verantwortlichen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Ziel ist es, mit zentralen gemeinsamen Aktionen, aber auch mit regionalen Aktivitäten in unterschiedlicher Zu­sammensetzung die Altersarmut von Frauen zu thema­ti­sieren und eine nachhaltige Verbesserung der Ein­kom­menssituation von Frauen für ein würdiges Aus­kommen.

Das Bündnis ist offen für weitere Interessierte.

 

Kontakt und verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes:

Karin Harder, Geschäftsführerin, ver.di Südhessen,

Rheinstr. 50, 64283 Darmstadt, Tel.: 06151/3908-11

Email: karin.harder@verdi.de

 

 


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