Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 0063 - 19.05.2013
DGB kritisiert politisch gefördertes Lohndumping -auch im Odenwaldkreis über 1.350 Aufstocker/innen

Aufstocker sind Teil des Hartz IV -Systems

BEERFELDEN. „Aufstocker sind Teil des Hartz IV-Systems“, machte DGB-Regionssekretär Horst Raupp (Darmstadt) auf einer Veranstaltung des DGB Oberzent über den sich rasant ausbreitenden Niedriglohnsektor deutlich. „In Deutschland sind mehr als 1,3 Millionen Hartz IV-Bezieher/innen erwerbstätig. Rund 350.000 Menschen arbeiten sogar Vollzeit, verdienen aber so wenig, dass sie ergänzend auf Hartz IV-Leistungen angewiesen sind. Auch im Odenwaldkreis gibt es mehr als 1.350 sogenannte Aufstockerinnen und Aufstocker, also erwerbstätige und selbständig erwerbstätige Hartz IV-Bezieher/innen. Im Landkreis ist der Anteil der erwerbstätigen einschließlich der selbständig erwerbstätigen Hartz IV-Bezieher/innen gemessen an den erwerbsfähigen Leitungsberechtigten auf mittlerweile 36,5 Prozent angestiegen. Armut trotz Arbeit nimmt auch im Odenwald sprunghaft zu“.

Scharf kritisierte der Gewerkschaftssekretär die Folgen des politisch geförderten Lohndumpings: „Jedes Jahr stocken die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler mit Milliardenbeträgen Armuts- und Hungerlöhne auf und subventionieren damit die Profite der Lohndrücker, die sich durch Lohndumping eine goldene Nase verdienen. So werden Beschäftigte ausgebeutet, die Sozialkassen geplündert und der Wettbewerb zu Lasten von fair zahlenden Unternehmen verzerrt. Damit muss endlich Schluß sein“. Als Gegenmaßnahmen fordern der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften die Erleicherung der Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen, die Wiederherstellung der gesetzlichen Befristung von Leiharbeit, die Durchsetzung der Forderung „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“ vom ersten Tag an ohne Ausnahme und – „als unterste Haltelinie, unter die niemand gedrückt werden kann“ - einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn, der ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Ein gesetzlicher Mindestlohn würde zudem die Ausgaben für Hartz IV um mehrere Milliarden senken und damit die Steuerzahler/innen entlasten. Von einem Mindestlohn würde auch der Odenwaldkreis als Träger der Grundsicherung profitieren.

DGB-Ortsverbandsvorsitzender Lothar Löll (Beerfelden) und DGB-Kreisvorsitzender Harald Staier (Höchst) betonen: „Ziel muss es sein, prekäre Beschäftigung, Leiharbeit und Billigjobs zurückzudrängen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen und anständige Löhne durchzusetzen. Bei der Bundes- und Landtagswahl 2013 werden wir allen Parteien und alle Kandidat/inn/en daran messen, wie sie gegen die unerträgliche Situation im Niedriglohnsektor und gegen Altersarmut vorgehen wollen. Hungerlöhne und Armutsrenten sind eine Kampfansage an die arbeitenden Menschen“.

Horst Raupp

Regionssekretär

 


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