Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 0038 - 03.12.2012

Armutsbericht ist ein Armutszeugnis“ - DGB: Niedriglohnsektor breitet sich auch im Odenwaldkreis rasant aus

„Der Armutsbericht der Bundesregierung ist ein Armutszeugnis für die Politik der letzten dreißig Jahre und speziell für die jetzige schwarzgelbe Bundesregierung“, betont der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Odenwaldkreis. „Die Regierung hat alle entscheidenden Aussagen aus dem Armuts- und Reichtumsbericht gestrichen und versucht, die Verteilungs- und Armutsprobleme kleinzureden. Diese peinliche Schönfärberei hat mit der Realität nichts mehr zu tun. An den Fakten, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht und Millionen Menschen für Hungerlöhne arbeiten müssen, kommen auch CDU und FDP nicht vorbei“, so der südhessische DGB-Regionssekretär Horst Raupp auf der Klausurtagung des DGB Odenwaldkreis in Michelstadt.

„Der Niedrig- und Armutslohnsektor breitet sich auch im Odenwaldkreis rasant aus“, betont der DGB. „Auch Vollzeitbeschäftigte mit Berufsabschluss rutschen immer mehr in den Niedriglohnbereich“. Untermauert wird diese Feststellung mit den Zahlen einer aktuellen Sonderauswertung der Agentur für Arbeit zum Thema Niedriglohn. Die Auswertung umfasst alle Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende). Im Odenwaldkreis gibt es 17.120 Vollzeitbeschäftigte. Davon arbeiten 4.652 Personen oder 27,2 Prozent unter der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle, die bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1.802 Euro brutto liegt. Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind darin bereits berücksichtigt. Wird die (höhere) westdeutsche Niedriglohnschwelle von 1.890 Euro zugrunde gelegt, befinden sich sogar 5.093 Personen oder 29,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Odenwaldkreis unterhalb der Niedriglohnschwelle. Bei den Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss arbeiten 22,2 Prozent unter der westdeutschen Niedriglohnschwelle, bei den Vollzeitbeschäftigten mit Fach- oder Hochschulabschluss sind es immerhin 8,8 Prozent. Noch wesentlich brisanter sind die Zahlen weibliche Vollzeitbeschäftigte. Von 5.476 Frauen mit einer Vollzeitstelle arbeiten 2.837 oder 51,8 Prozent unterhalb der westdeutschen Niedriglohnschwelle. Selbst von den Frauen mit abgeschlossener Berufsausbildung befinden sich 43,7 Prozent unterhalb der Niedriglohnschwelle.

Mit Blick auf die aktuelle politische Diskussion über Altersarmut machen DGB-Kreisvorsitzender Harald Staier (Höchst) und DGB-Regionssekretär Horst Raupp deutlich: „Hungerlöhne führen zu Armutsrenten. Wenn es nicht endlich gelingt, prekäre Beschäftigung zurückzudrängen, den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen zu stoppen, einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn durchzusetzen und das Rentenniveau mindestens auf dem jetzigen Stand zu stabilisieren, wird Altersarmut für viele jetzt arbeitende Menschen zu einem Massenphänomen zu werden, das bis weit in die Mittelschicht hinein reicht“.

Scharf kritisiert der DGB Odenwaldkreis, dass „die Armuts- und Hungerlohnparteien CDU und FDP“ im Bund und in Hessen jede Initiative gegen Lohndumping abgelehnt haben. Mit einer bundesweiten Kampagne „Gute Arbeit - Sichere Rente - Soziales Europa“ wollen der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften einen grundlegenden Politikwechsel durchsetzen: „Es muss endlich Politik für die breite Mehrheit der Menschen gemacht werden statt Politik für Banken, Konzerne, Reiche und Superreiche“.


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